| Mobilfunk 2005: Taiwanischer Auftragsfertiger BenQ übernahm die Handysparte von Siemens
Was für viele hier zu Lande lange undenkbar war, ging zum 1. Oktober über die Bühne. Der taiwanische Hersteller BenQ übernahm die Handysparte von Siemens und bekam zahlreiche Gaben obendrein. In 2006 will der neue große Handyproduzent mit Zentrale in München gleich 30 Modellneuheiten vorstellen.
So schnell wie möglich soll in Shanghai eine Produktionsstätte startklar sein. Ebenfalls großzügig: BenQ Mobile darf die Marke Siemens für 18 Monate und in Kombination mit BenQ bis zu 5 Jahre nutzen. Darüber hinaus wurde die Übernahme durch 250 Mio. € aus München versüßt.
Siemens-Chef Klaus Kleinfeld setzte seit Sommer zu diesem Befreiungsschlag an - zuletzt machte die Handy-sparte tägliche Verluste von 1 Mio. €. Inzwischen macht sich leise Zuversicht breit, denn BenQ Mobile zeigt seine Stärken. Längst sind deren UMTS-Handys auf dem Markt. Die Taiwaner haben als Tochter der BenQ Corp. alles im Hause, was man als Unterhaltungselektronikkonzern so braucht: Displays, Hard- und Software für MP3, Speicher, durch eine neue Lizenzvereinbarung mit der japanischen Pentax Kameralinsen und anderes mehr. Dazu kommt der eiserne Wille, schnell Produkte auf den Markt zu bringen, die zudem Trends setzen.
Schon Mitte Januar will BenQ Mobile nun die neue Marke Siemens-BenQ vorstellen sowie drei neue Handy- modelle aus der wenige Monate jungen Liaison. Zur weltgrößten Mobilfunkmesse 3GSM in Barcelona und zur CeBIT sollen dann weitere Mobiltelefone - "in jedem Segment folgen", so Jerry Wang. "Ein Drittel der 30 Modelle im kommenden Jahr sind UMTS-Handys." Man darf gespannt sein, wie die Kreuzung aus kühl-klarem Industriedesign ehemaliger Siemens-Handys mit trendigen BenQ Mobile-Mobiltelefonen aussehen wird.
Ehrgeizige Ziele hat die deutsch-taiwanische Firma mit Hauptsitz in München unter der Regie des ehemaligen Siemensianers Clemens Joos so oder so. "Ab 2006 wollen wir den Breakeven erreichen, ab 2007 dann profitabel sein", so Jerry Wang. Drastische Einsparungen soll es nicht etwa in den Werken wie z.B. Kamp-Lintfort geben, sondern u.a. "bei Halbleitern, Komponenten und Zulieferern", so Wang, der die ehemaligen Siemensverträge "sehr viel flexibler gestalten" will. |