BenQ strafft Handy-Entwicklung
Der Handyhersteller BenQ Mobile hat sein Entwicklungszentrum im dänischen Aalborg an Motorola verkauft. Betroffen sind 250 Beschäftigte, die vollständig vom US-Wettbewerber übernommen werden.

Der Standort Aalborg, den BenQ mit dem Kauf der Handysparte von Siemens im Oktober 2005 übernommen hatte, soll bereits im Juni den Eigentümer wechseln. Einen Kaufpreis nannten die Unternehmen nicht.

Mit dem Verkauf strafft BenQ seine Prozesse - und setzt die Gewerkschaft IG Metall bei den Verhandlungen über die Zukunft des Werks im westfälischen Kamp-Lintfort unter Druck. Diese beginnen am 11. Mai. An dem größten Standort von BenQ Mobile sind knapp 2000 Mitarbeiter beschäftigt. Ihr für zwei Jahre abgeschlossener Ergänzungstarifvertrag endet am 30. Juni. Scheitert eine neue Vereinbarung zwischen Gewerkschaft und Unternehmen, steht das Werk auf der Kippe: "Die Bedrohung ist heute genauso groß wie vor zwei Jahren", sagte BenQ-Mobile-Chef Clemens Joos der FTD.

Modell nicht verlängern

Die Arbeitnehmervertreter wollen das noch unter Siemens-Regie gefundene Modell nicht verlängern. Eine Rückkehr zum teureren Flächentarifvertrag schloss Joos jedoch aus. "Wir sind uns mit den Eigentümern einig, dass gewisse Funktionen besser in Europa bleiben sollten. Entscheidend dafür ist, ob diese wettbewerbsfähig arbeiten können." Das sei mit dem bisherigen Ergänzungstarif der Fall. "Ich gehe von einem lösbaren Konflikt mit der IG Metall aus", sagte Joos.

Der Verkauf des dänischen Zentrums soll helfen, neue Handymodelle schneller anbieten zu können. Dazu konzentriert BenQ die Entwicklung an den Standorten München, Kamp-Lintfort und Wroclaw in Polen. Joos: "Teilweise arbeiteten acht Standorte an einem Modell. Das hat zu viel Zeit gekostet. Jetzt sind wir 20 Prozent schneller." Zuletzt hatte BenQ den Standort Ulm aufgelöst und die Arbeitsplätze nach München verlagert.

Gewinnschwelle erreichen

BenQ Mobile hatte angekündigt, im vierten Quartal wieder die Gewinnschwelle zu erreichen. "Wir haben 80 Prozent der Maßnahmen, die Kosten zu reduzieren, angepackt", sagte Joos. So sei es gelungen, durch niedrigere Ausgaben für Material, Werbung und Zulieferer die niedrigere Auslastung des Werks Kamp-Lintfort auszugleichen. Sie war in den ersten drei Monaten 2006 gegenüber dem Weihnachtsquartal um etwa ein Drittel gefallen.

Im ersten Quartal hatte die Mobilfunksparte die Bilanz des taiwanesischen Konzerns allerdings noch stark belastet: BenQ meldete einen Verlust von 6 Mrd. Taiwan-Dollar (150 Mio. Euro) - vor allem durch Abschreibungen in der Handysparte, die 42 Prozent des Konzernumsatzes erzielt.

Auch hat BenQ Mobile den größten Teil des Weges, die Umsätze zu steigern, noch vor sich: "40 Prozent der Maßnahmen haben wir in Angriff genommen", sagte Joos. Bisher ist das veraltete Siemens-Modellprogramm allerdings erst zur Hälfte erneuert. Mit Folgen: Im vergangenen Jahr sei der weltweite Marktanteil von BenQ auf nur noch 4,7 Prozent gefallen, berichtete jüngst der Marktforscher Gartner. Diese Zahl ist für Joos jedoch kein Erfolgskriterium: "Für mich geht Profitabilität vor Marktanteil", sagte der Manager bereits zu Jahresbeginn.

4.05.2006, 18:57 Uhr
FTD
 
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